Von (Business)Coaching und Katastrophen….,Bezahlen, Klappe halten, selber Schuld!


Pension Berlin

Viele Menschen fragen sich von Zeit zu Zeit, ob das, was sie tun noch richtig ist, ob man nicht mal was anderes machen sollte, sein Leben ändern sollte. Angeblich tauchen solche Fragen oft während der Midlife-Crisis auf, aber nicht zwangsläufig. Ich glaube es ist ein völlig normaler Vorgang, der uns im Laufe des Lebens wahrscheinlich mehrmals beschäftigt, zumindest mich.

Ich gehe auch schon länger schwanger mit dem Gedanken in meinem Leben noch einmal was zu ändern. Noch nie habe ich eine Arbeit so lange gemacht wie jetzt die Pension Am Park, noch nie habe ich so lange an einem Ort gelebt.

Ich mag meine Pension, ich mag meine Arbeit, ich mag die vielen unterschiedlichen, interessanten, spannenden Menschen, mit denen ich zu tun habe. Aber dennoch… Mal wieder eine Änderung wäre nicht schlecht.

Akut und ganz stark wurde der Gedanke, als ich im Jahr 2017 eine Mieterhöhung bekam, die über höhere Preise einfach nicht zu kompensieren war. Dazu das Wissen, dass in 2022 nochmal eine Erhöhung unbekannter Größe auf mich zukommt und 2027 endgültig Schluss ist, weil der Vertrag dann zu Ende ist.

Ich halte es also für schlau, nicht bis zum Ende zu warten, sondern mit rechtzeitig eine Alternative zu schaffen und ein zweites, oder ein ganz anderes Standbein aufzubauen. Ich ging also 2017 in mich und kam selber auf verschiedene Ideen. Die Pension verkaufen, jetzt da noch 10 Jahre Vertrag vorhanden sind, sollte das möglich sein. Das Geld nehmen, eine Weltreise machen und wenn das Geld zu Ende ist zurück kommen und Hartz4 beantragen. Vielleicht findet sich aber auch auf der Reise ein Möglichkeit sich selbständig zu machen und ein neues Geschäft aufzubauen. Eine andere Idee war anfangen zu studieren. Ein lang gehegter Wunsch/Traum. Kein Fach für die Karriere, sondern etwas nur für die Lust, für die Freude: So etwas „sinnloses“ wie Fotografie, Kunstgeschichte, o. ä.. Betriebswirte, Volkswirte, etc.,  die unsere Welt optimieren und gleichmachen wollen gibt es schon genug, sowas brauch ich nicht.

Ein weiterer Plan war eine Pension, ein Hotel irgendwo auf dem Land aufzumachen, wo die Immobilien günstig und für mich erschwinglich/finanzierbar sind. Also habe ich angefangen Suchaufträge in den bekannten Immobilienseiten zu schalten.

Alle diese Ideen waren aber entweder nicht sonderlich nachhaltig, oder überzeugten mich nicht wirklich. Als mir eine Freundin, die nach langen Jahren von ihrem Arbeitgeber freigestellt wurde und in diesem Rahmen ein Businsesscoaching bezahlt bekam, mir vorschwärmte wie toll und hilfreich das für sie war, ließ ich mir den Namen von ihrem Coach geben und entschloss mich auch ein Coaching zu beginnen. Vielleicht könnte auch mir das helfen.

So kam ich im Frühsommer 2017 zu Herrn T. W.. Meine erste Erfahrung mit individuellem Coaching und ich fand alles sehr spannend und interessant. Ich erzählte ihm von meinen drei o. g. Ideen, die aber nicht sonderlich nachhaltig, bzw. überzeugend wären und ich deshalb mit seiner Hilfe versuchen möchte weitere/andere Ideen und Perspektiven zu entwickeln.

Mit verschiedenen Techniken, die meist alle nach deren Erfinder benannt sind, deren Namen ich mir nicht merkte, weil diese Namen mich schlicht nicht interessierten, versuchte Herr T. W. zu ergründen, wo denn meine Stärken und Schwächen liegen. Die Ergebnisse waren für mich nicht sonderlich überraschend, da ich mir durchaus schon vorher bewusst war, dass ich sehr strukturiert, rational, gut organisiert bin und über ein tolles Zeitmanagement verfüge. Interessanter wurde es dann schon zu sehen, das ich das, was ich gut kann eigentlich nicht so gerne mache und das, was ich gerne machen würde, nicht so gut kann (Kunst, Naturwissenschaften, z. B.). Stellt sich also die Frage: Soll ich lieber das machen, was ich gut und leicht kann, oder mich mit oder zu etwas quälen wo mir Talent und Kompetenz fehlen. Ein Ergebnis der Arbeit, welches sehr interessant war und über das es sich in jedem Fall lohnte Gedanken zu machen. Ich habe für mich zumindest entschieden das zu machen, was ich gut kann und was mir leicht fällt, auch wenn vielleicht nicht meine Leidenschaft ist.

Die ganzen Spielchen, Tests und Techniken zeigten auch, dass ich angeblich eine gewisse soziale Kompetenz besitze, was ich von mir selber nicht behauptet hätte, und so kam irgendwann die Idee auf, in diesem Bereich etwas zu tun. Tatsächlich hatte Herr T. auch eine Idee, die mir auch gefiel und die ich dann eine Weile verfolgte. Ich sprach mit Bildungsträgern um die fachlichen Kenntnisse zu erwerben, ich sprach mit dem entsprechenden Berufsverband und holte allerlei Infos ein. Am Ende habe ich die Idee begraben, weil die zuständigen Ämter mir mitteilten, dass es dafür in Berlin keinen Bedarf gäbe. In Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern, etc. sähe das aber anders aus. Aber gut… Aufs Land wollte ich ja nicht unbedingt, da wären wir ja auch wieder bei dem Hotel auf dem Land, was mich nicht wirklich überzeugte.

Als Herr T. W. dann im weiteren Verlauf des Coachings immer wieder versuchte mich auf meine bereits bekannten Ideen zu lenken (Weltreise, Studium, Hotel auf dem Land), ich ihm aber immer wieder versuchte klarzumachen, dass dies nicht meine Anliegen an ihn sei, denn das könnte ich selber umsetzen, wenn ich es denn wollte, ich aber bei ihm bin um andere Ideen zu entwickeln, hatte ich irgendwann keine Lust mehr. Endgültig Schluss war als er mich jede der Ideen auf eine Karte schreiben ließ plus einer Karte für den Ist-Zustand. Diese sollte ich dann auf den Boden verteilen. Anschließend sollte ich mich zu jeder Karte stellen und sagen, wie sich das anfühlt. STOPP, hier fühlt sich gar nichts an!!!
Ich beendete das Coaching bei Herrn T. W.

Herr T. W. war früher mal Personalentwickler in einem großen Unternehmen und ich vermute, dass die Anforderung und Aufgaben da wohl andere sind, als bei einem Suchenden wie mir.

Nach einer mehrmonatigen Pause beschloss ich Anfang 2018 das Thema wieder anzugehen. Im Internet suchte ich nach einem Coach und vereinbarte letztlich einen ersten Termin mit Frau S. F. Frau S. F. machte in Ihrer Internetpräsentation und Selbstdarstellung einen bodenständigen, fachlich kompetenten Eindruck. Der erste Termin war auch sehr positiv. Frau S. F. ist eine echte Praktikerin, hat eine Lehre im Hotelfach gemacht, später studiert, danach als Controllerin in einem mittelständischen Unternehmen gearbeitet, bevor sie sich zum Coach ausbilden ließ. Viele Ihrer Kunden sind kleine Unternehmen oder Existenzgründer. Das schien mir gut zu meiner Situation zu passen und unsere ersten zwei Termine waren auch sehr spannend und kreativ und ich hatte ein gutes Gefühl.

Dann ergab es sich allerdings, dass ich ein Hotel auf dem Land gefunden hatte, von dem ich glaubte: Das ist es jetz!. Also brach ich das Coaching mit Frau S. F. ab und wir verlegten uns darauf die Finanzierung für mein Hotel zu basteln, was  übrigens eine der großen Stärken von Frau S. F. ist: Unternehmensgründungen, Finanzierungen, Fördergelder akquirieren. Frau S. F. hat da einen fantastischen Job gemacht, mir kompetent und professionell geholfen einen Businessplan, eine Liquiditätsplaung, ein Kalkulation und alles was man so braucht um ein Geschäft auf die Beine zu starten und die Banken zu überzeugen es zu finanzieren, zu erstellen. Ich würde jederzeit, sofort wieder zu Frau S. F. gehen, sollte ich wieder mal ein Geschäft finanzieren und gründen wollen. Nach einiger Zeit hat sich aus unterschiedlichen Gründen das Hotel auf dem Land leider zerschlagen. Inzwischen haben Frau S. F. und ich uns aber ein wenig angefreundet und uns hin und wieder auch privat getroffen. Aufgrund der nun fehlenden Distanz sah sie sich nicht mehr in der Lage mich zu coachen, was ich durchaus nachvollziehen konnte, was ich aber trotzdem sehr schade fand, weil ich Sie für sehr gut und kompetent halte. Sie empfahl mir dann Frau C. R., auf die sie wirklich große Stücke hält.

Also machte ich einen ersten Termin bei Frau C. R. Ich hätte mich mal nicht von der Empfehlung leiten lassen sollen, sondern auf mein Gefühl hören sollen. Frau C. R. ist eine smarte Businessfrau, eigentlich gar nicht das auf was ich so stehe. Aber egal, sie soll ja gut sein, laut Frau S. F.
Ich sagte Frau C. R. beim Vorgespräch ganz klar, dass ich kein klassisches Businesscoaching, sondern einen kreativen Ideenentwicklungsprozess benötige und ich auch nicht auf meinen schon selbst entwickelten (nicht sonderlich attraktiven) Ideen rumreiten möchte. Auch auf Spielchen a la „wie fühlt sich das an“ habe ich gar keine Lust.

Frau C. R. sehr selbstbewusst und von sich überzeugt, meinte, dass sie da schon ganz tolle Ideen hätte, wie man das angehen kann. Spätestens als sie ihren Preis nannte, hätte ich aber eigentlich aufstehen und gehen sollen. Doppelt so viel wie Herr T. und immer noch 40% mehr als Frau F., ein saftiges, happiges Honorar von 140 Euro pro Stunde, plus Märchensteuer. Mehrere Freunde und Bekannte, die Erfahrungen in dem Bereich Coaching haben und die ich konsultierte, meinten auch, dass das schon etwas teuer wäre, aber wenn sie denn angeblich so gut ist, und am Ende ein gutes Ergebnis rauskommt… na ja…… usw…

Also vereinbarte ich nach ein paar Tagen des Nachdenkens und der Besprechung mit Freunden, gegen mein inneres Gefühl, einen ersten Termin mit Frau C. R.

Anhand verschiedener Techniken erforschte sie, wie schon die zwei Coaches davor, meine Stärken, was logischerweise sein muss, denn sie muss sich ja ein Bild von mir machen.

Nach dem ersten Termin bekam ich eine Hausaufgabe, die ich, je länger ich daran arbeitete, immer dämlicher und fast schon beleidigend fand. Ich sollte (Kurz)Biografien von Leuten lesen, die ich gut finde/bewundere und mir überlegen, was ich für mein Leben davon übernehmen kann. Je länger ich an der Hausaufgabe saß, desto wütender wurde ich. Ich habe in meinem Leben schon unzählige Biographien gelesen und natürlich denke ich immer über das nach, was ich lese. Ich brauche also keine „Frau Lehrerin“ die mir erzählt, dass ich mal was lesen und darüber nachdenken soll.

Das habe ich ihr beim zweiten Termin auch gesagt und klar zu verstehen gegeben, dass ich das irgendwie seltsam finde und sie konnte das (schienbar) nachvollziehen. Heute glaube ich sie kann einfach alles nachvollziehen, so lange jemand bereit ist ihr Honorar zu bezahlen.

Also wieder ein paar andere Techniken, wieder eine paar Erkenntnisse und wieder eine Hausaufgabe. Diesmal sollte ich mir Gedanken darüber machen, wo ich meine Stärken früher schon mal eingesetzt habe, oder das immer noch tue und wie es mit damit geht.

Beim dritten Termin präsentiere ich ihr meine Gedanken, aber sie ist nicht erfreut und begeistert über das was ich ihr da vortrage. Sie findet das nicht konkret genug, nicht tiefgehend genug.

Sie versucht nun aus mir herauszubekommen mit was ich mich absolut identifiziere, was „sind wirklich Sie?“, “für was brennen Sie?”, will sie wissen. Auch das Ergebnis gefiel ihr nicht wirklich. Nun sollte ich mir vorstellen ich hätte meinen Traumjob gefunden und es wäre zwei Jahre später. Ich sollte ein Bild malen wie ich mich in zwei Jahren sehe, wo ich wäre. Da waren wir wieder bei „wie fühlt sich das an“ von Herrn T. W.. Dass ich keine Idee hatte wo ich in zwei Jahren sein will, fand sie äußerst befremdlich. Ich müsse doch eine Ziel haben, eine Idee, einen Lebensplan, so wie ich mich hier darstelle geht das einfach nicht. Ich müsste schon bereit sein mich zu ändern, sonst kann sie mir nicht helfen.

„Nein Frau R., ich habe keinen Lebensplan und keine Idee wo ich hin will, das hatte ich Ihnen auch ganz klar gesagt am Anfang. Wenn ich den Plan hätte bräuchte ich Sie nicht. Wie man Pläne und Ideen umsetzt weiß ich, das habe ich auch schon gezeigt, aber ich brauche erste einmal eine Idee und genau dafür bin ich zu Ihnen gekommen: Um eine Idee zu entwickeln!“

Als Hausaufgabe gab sie mir mit auf den Weg im Berufsverzeichnis, z. B. des Arbeitsamtes zu schauen, welchen Beruf ich gerne ausüben würde und ca. 10 Stück rauszusuchen und beim nächsten Mal mitzubringen.
Nun war ich vollends sprachlos und perplex. Auf so eine “geniale”, “originelle” Idee wie mir 10 Berufe aus dem Verzeichnis des Arbeitsamtes zu suchen muss man erst mal kommen.

Es ist schon scheiße, wenn die mühsam und teuer, in der Coach-Ausbildung erlernten Techniken, in der Praxis nicht immer funktionieren. Ich vermute einfach mal, dass planlose Leute wie ich eher nicht zu einem Coach gehen. Die Hauptklientel dürften wohl „ganz wichtige“ (oder solche die es werden wollen) im Beruf stehende Menschen mit einem Karriereplan sein. Die bekommen dann moralisch und seelisch (Verzeihung für den derben Sarkasmus) einen geblasen und gehen mit einem „Tschakka, ich schaffe das“ aus dem Coaching um weiter, mit noch mehr Power ihren geplanten Karriereweg zu gehen.
Das habe ich Frau R. auch ziemlich genau so nach ein paar Tagen geschrieben und die Zusammenarbeit beendet.

Schuld bin natürlich ich, weil ich keinen Idee, keinen Plan habe, mich auch nicht ändern will. Deshalb kann sie mir nicht helfen. Erst muss ich mich mal ändern, bis ich so bin, wie sie, bzw. ihre Schulweisheit das gerne hätte, damit sie mir helfen kann. Von Selbstkritik keine Spur. Schuld bin ganz alleine ich, weil ich nicht in ihre tollen Konzepte passe.
Ich bin ganz sicher kein leichter Klient, aber das habe ich von Anfang so kommuniziert.

Inzwischen habe ich mir eine Meinung über Coaches gebildet, die nicht sonderlich schmeichelhaft ist. Die meisten sind Taschenspieler und Blender. In etlichen Kursen haben sie einen haufen Techniken erlernt, die bei ca. 90% der Bevölkerung anwendbar sind und auch gut funktionieren, mehr ist da nicht dahinter. Der Rest ist Selbstvermarktung und sich gut verkaufen, damit die Klienten nicht merken, dass sie viel Geld für etwas bezahlten, dass sie sich auch leicht selber aneignen und ohne teuere Hilfe umsetzen könnten.

Eigentlich ein geiler Job: Keine Erfolgsgarantien, keine überprüfbaren, einforderbaren Ergebnisse, keine fassbaren Qualitätsstandards. Nur ein paar erlernte Techniken, gepaart mit sicherem, selbstbewussten auftreten und ein wenig Netzwerkarbeit. Ganz viel Blendwerk, gemacht für eine immer angepasstere und uniformere Arbeitswelt und deren „wichtige“ Führungskräfte (oder die, die es noch werden wollen). Wenn es nicht funktioniert ist immer der Klient schuld. Klappe halten, bezahlen, selber Schuld!

 


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