Lufthansa erhöht die Ticketpreise, und was das mit Hotels zu tun hat


Pension Berlin

Lufthansa erhöht die Ticketpreise, und was das mit Hotels zu tun hat.

Lt. einem Bericht auf ntv.de vom 3.6.2015, erhöht Lufthansa die Preise für Tickets, die über GDS gebucht werden. GDS heißt „Global Distribution System“ und ist ein Begriff für Programme und Buchungsplattformen, über die Flüge der Lufthansa, aber natürlich nicht nur der Lufthansa, sondern auch von vielen anderen Fluggesellschaften, gebucht werden können. Sabre und Amadeus sind zwei dieser großen GDS. Der Endverbraucher kennt diese Dienstleister meist gar nicht, da diese lediglich über Software im Hintergrund laufen. Die meisten Reisebüros nutzen solche Systeme und können mit deren Hilfe, Flüge mit anderen Leistungen kombinieren und verbinden. Auch die Abrechnung läuft über diese System. Lufthansa argumentiert nun, dass diese GDS sehr teuer sind und am Ende eine Kapitalrendite von 20% erwirtschaften, während die Lufthansa, als Erbringer der Leistung, gerade mal auf eine Rendite von 4% kommt.

Was das nun mit Hotel, Pensionen, Bed and Breakfast, Ferienwohnungen, etc.. zu tun hat? Ganz einfach!
Auf dem Markt der Hotelbuchungen decken inzwischen Buchungsportale einen extrem hohen Anteil am Reservierungsaufkommen ab. Sehr viele Hotelbuchungen (Tendenz wohl steigend) werden von Gästen über Portale wie hrs, booking.com, u. ä. abgewickelt. Diese verlangen dafür natürlich eine Provision von Hotels und Pensionen, ähnlich wie die GDS von der Lufthansa.
Die Provisionen betragen teilweise bis zu 25% des Zimmerpreises. Viele Hotels halten das, genau wie die Lufthansa, auch für viel zu viel, für den relativ geringen Gegenwert, den diese Portale erbringen.

Ich, als Betreiber einer kleinen Pension, habe bei Buchungen mit Portalen oftmals mehr Arbeit, als bei direkten Buchungen. Ich muss bei jeder Buchung über das Portal prüfen, ob die Kreditkarte korrekt ist.
Es gibt über Hotelbuchungsportale immer wieder Buchungen, von fiktiven Personen, mit fiktiven Kreditkarte (bei direkten Buchungen ist mir das noch nie vorgekommen). Warum Menschen so was machen, weiß ich nicht. Es scheint aber öfter vorzukommen, wie ich bei einem Telefonat mit einer Kreditkarten-Abrechnungs-Gesellschaft unter der Hand erfuhr (speziell bei vermeintlichen Buchungen aus Asien und Afrika kommt das wohl häufig vor), aber das ist wieder ein ganz anderes Thema. Diese Kontrolle ist natürlich zeitaufwändiger, wenn ich keinen direkten Kontakt zum Kunden habe, und kostet dazu auch extra Geld, denn die Kreditkartenfirmen führen die Prüfung natürlich nicht kostenlos durch.
Geht dann irgendwas schief, ist der Hotelbuchungsportal nur Vermittler und für nichts verantwortlich. Das gilt natürlich sowohl für den Gast als auch für den Hotelier.
Beispiel: Gast reist nicht an, Kreditkarte (die bei Buchung, beim Portal angegeben wurde) ist nicht existent, Hotelier bekommt kein Geld. Kommentar Buchungsportal: Das tut uns Leid, ist aber nicht unser Problem, dafür sind Sie verantwortlich.
Gast bekommt eine Leistung, die seiner Meinung nach nicht mit dem gebuchten Produkt übereinstimmt und wendet sich an das Buchungsportal. Ähnliche Antwort: Tut uns Leid, ist aber nicht unser Problem, wir sind nur Vermittler. Das müssen Sie mit dem Hotel klären.
Alles schon persönlich erlebt, also keine Spinnereien. Aber auch das wieder eine andere Geschichte.

Die Buchungsportale sind inzwischen so mächtig geworden, dass es Hoteliers gibt, die sagen, dass sie ohne diese Portale nicht mehr überleben könnten, weil sie nicht genug Gäste bekämen.
Bei mir im Haus lag der Anteil der Hotelportale im Jahr 2014 bei 9,85% vom Gesamtumsatz. Eine Summe, mit der ich noch gut leben kann. Viel mehr sollte es aber nicht mehr werden. Mit anderen Worten: Ich bin noch nicht von den Portalen abhängig, und würden diese 9,85% ersatzlos wegfallen, würde ich immer noch überleben. Außerdem kann man damit rechnen, dass ich zu ausgebuchten Zeiten (Messe- und Hochsaison) das ein, oder andere Zimmer der 9,85% noch direkt hätte verkaufen können.

Die Portale selbst haben relativ geringe fixe Kosten. hrs z. B. hat weltweit gerade einmal 1.200 Mitarbeiter und vermittelt damit in 180 Ländern 250.000 Hotels. Wie viele 4 Sterne Hotels mit 200 Zimmern, könnte ich wohl, in wie vielen Ländern, mit 1200 Mitarbeitern betreiben? Sechs, sieben? Das nur mal um die Relation aufzuzeigen.
Das meiste Geld, welches von den Hotels für die Vermittlung der Gäste kassiert wird, geht in die Werbung. Speziell bei der Onlinewerbung hat das dann zur Folge, dass die Hoteliers, mit ihrem eigenen Geld, dass sie an die Portale bezahlt haben, dafür gesorgt haben, dass sie durch die Portale, bei den Suchmaschinen, von den vorderen Plätzen der Trefferlisten verdrängt wurden. Überspitzt gesagt, ich bezahle dafür, dass ich im Onlinemarketing immer schlechter dastehe und immer mehr auf die Portale angewiesen bin, die mir mit meinem Geld dann weiter das Wasser abgraben. Ich nenne das Schizophren.
Wenn ich heute bei google „hotel berlin“ als Suchbegriff eingebe habe ich fast nur Hotelportale auf der ersten Seite.

Eugen Block, Besitzer des Elysée in Hamburg, hat im Jahr 2013 mal versucht etwas dagegen zu machen. Er schaltete Anzeigen, in denen er damit warb, dass jedes bei ihm im Hotel direkt gebuchte Hotelzimmer, günstiger ist als in jedem Hotelportal. Darüber hinaus meinte er, dass für den „geringen“ Aufwand der Portale eine Kommission von 2 – 4% ausreichend wäre.
Statt von Kollegen unterstützt zu werden, wurde er von anderen Hoteliers dafür kritisiert und als „ewig gestrig“ hingestellt. Wahrscheinlich waren das die selben, die morgen wieder über die Macht der Portale jammern.

Und damit sind wir wieder beim Anfang und der Frage, was Hotels und Pensionen mit der Lufthansa zu tun haben.
Auch die Hotels und Pensionen müssten mal beginnen nicht nur zu jammern, sondern aktiv zu werden. Höhere Preise bei Buchungen über die Portale und niedrigere Preis bei Buchungen direkt im Hotel, als Beispiel. Und das natürlich auch lautstark kommunizieren.
In Berlin haben die Hotels sogar ein eigenes Online-Buchungsportal, an dem Sie über visit Berlin, direkt beteiligt sind. Warum wird das nicht gestärkt, ausgebaut und mehr beworben?

So lange es dann aber Kollegen gibt, wie den in Köln, der Gästen, die an der Rezeption anrufen um ein Zimmer zu buchen, den Rat gibt:“ Buchen Sie besser bei dem Portal xyz, da ist es billiger, als hier direkt, und für mich einfacher“, ist vielen Kollegen wohl eh nicht zu helfen.
Bei mir wird ein Gast, der direkt im Haus bucht, niemals mehr bezahlen, als wenn er wo anders bucht. Das garantiere ich!


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