Zwölf Minuten zum Reinigen eines Zimmers


Pension Berlin

Unter der Überschrift “Beruf Zimmermädchen” berichtet der DER SPIEGEL über die Erfahrungen eines Zimmermädchens in einem Hotel der Oberklasse.

Schon öfters gab es Berichte über Arbeitsbedingungen und Zustände bei der Reinigung der Zimmer in Hotels. Auch der WDR (oder war es der NDR?) hat mal eine TV-Reportage darüber gemacht.
Viele Hotels haben nicht mal mehr eigenes Personal sondern lassen die Reinigung durch Subunternehmer erledigen. Dass die Bezahlung nicht üppig ist, ist nicht verwunderlich. Das dazu die Arbeitsbedingungen teilweise aber unter aller Sau sind, ist schon wieder was anderes. Im geschilderten Fall haben die Damen 12 Minuten Zeit um ein Zimmer zu machen. Wie das zu schaffen sein soll ist mir ein Rätsel. Aber gut, in genormten und standardiesierten Zimmern ist das vielleicht machbar, sofern der Gast nicht allzu sehr rumgesaut hat. Ich schaffe das auf jeden Fall in meinen Zimmer niemals und ich habe schon ein paar tausend Zimmer sauber gemacht im Laufe der Jahre. Wie die Dame im Artikel schildert, geht die Zeit, wenn sie nacharbeiten muss von ihren Pausen ab, was wiederum beduetet, dass sie das dann nicht bezahlt bekommt.

Meine Reinigungskräfte werden auch nicht üppig bezahlt, immerhin bekommen sie zum Anfang ca. 20% über Mindestlohn und nach sechs Monaten nochmal zwei Euro pro Stunde mehr. Vor allem aber haben sie keinen Zeitdruck. Manche meiner Reinigungskräfte brauchen 25 Minuten, andere 45 Minuten für ein Zimmer. Das ist ok, wenn das Zimmer danach auch sauber ist und die Gäste glücklich.

Es gibt dokumentierte Fälle von Hotels (ganz oft Oberklasse mit richtig teuren Zimmern), die bezahlen ihre Reinigungskräfte pro Zimmer. Als Beispiel 2,50 pro Zimmer, die Vorgabe ist 15 Min. pro Zimmer, macht 10 Euro die Stunde, bei Einhalten der Vorgabe. Ist ein Zimmer richtig dreckig, oder checkt der Gast zu spät aus und die Reinigung kann erst später stattfinden, hat das Personal halt Pech gehabt. Wartezeit wird nicht bezahlt, genausowenig wie das Bestücken des Wagens mit Wäsche und Reinigungsmitteln.
Diese Sklaventreiberei finde ich abartig und assozial. Da wird Gewinnmaximierung um jeden Preis betrieben. 250 Euro pro Nacht fürs Zimmer verlangen, dann aber ein paar Cents bei der Reinigung sparen. Chefs die Angestellte so behandeln sollten sich schämen, was sie aber meist nicht tun sondern es für völlig normal halten andere auszubeuten.

Mich wundert nur immer wieder, dass sich so viele finden, die sich das gefallen lassen und mitmachen. Ich würde das nicht.


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